[Tipp] Recycling // Kleidung recyceln und neue Dinge daraus nähen (so viel Arbeitszeit steckt wirklich dahinter)

Nähen mit alten Textilien ist im Hause MissZuckerguss keine Besonderheit, sondern Alltag!


Du wirst vielleicht schon einmal Knöpfe abgetrennt und wo anders wieder angenäht haben. Oder vielleicht den ein oder anderen Reißverschluss wieder verwendet haben. Ich möchte dir einen Einblick geben, was ich unter textiles Recycling verstehe. Wie ich alte Kleidung so aufarbeite, dass man sie zum Nähen wieder verwenden kann.

Ich kann mit Stolz behaupten noch nie in einem Nähgeschäft gewesen zu sein und Meterware gekauft zu haben (auch nicht online).
All meine genähten Werke sind aus alten Textilien oder ungeliebter Meterware (die irgendjemand wegschmeißen wollte) genäht.

Vielleicht inspiriere ich dich sogar, das ein oder andere alte Kleidungsstück nicht in die Kleiderspende zu schmeißen, sondern etwas ganz Neues daraus zu nähen. Denn das ist der Stoff, aus dem Unikate gemacht werden ;o)


--> Bezugsquellen kennen:
Ich achte sehr darauf, wo meine zu recycelnde Kleidung her kommt!

Kleidung von in-der-Wohnung-Rauchern zieht bei mir nicht ein! Kalter Rauch frisst sich so in den Fasern fest, dass man ihn mit besten Willen nicht raus bekommt. Ich beziehe Kleidung nur von Personen die ich oder mein(e) "Picker" kennen. (ich habe 1-2 Persönchen, die mir ab und zu mal Nachschub mitbringen)



--> Woher beziehe ich alte Kleidung:
  • Haushaltsauflösungen: Haushaltsauflösungen im Freundes- und Bekanntenkreis, sind immer eine gute Quelle um an große Mengen von Textilien zu gelangen. Gerade wenn eine Wohnung aufgelöste werden muss (aus welchen Gründen auch immer) sind die Angehörigen froh das "Zeug" los zu werden. Textilien bekommt man daher oft geschenkt. 
  • KleiderschrankEntrümpelung: Wird der Kleiderschrank bei sich selbst oder Bekannten/Freunden aufgeräumt/ SaisonTextilien umgeräumt, findet sich das ein oder andere ungetragene, nicht mehr passende oder kaputte Kleidungsstück zum recyceln.
  • BlogLeser: Oft entwickeln sich zwischen Stammleser und Blogger (nicht nur online) Freundschaft. In vielen Fällen sind es Gleichgesinnte. Eine gute Basis zum tauschen oder geschenkt bekommen.


--> Im Voraus:
Ich zerlege mir ein Kleidungsstück immer komplett in seine einzelnen Bestandteile. Vor dem Nähen möchte ich an mein Stoffregal gehen, den Stoff nehmen und gleich loslegen können. (wie beim verarbeiten von gekaufter Meterware eben auch)

Meine Methode ist zwar aufwändiger, aber so weis ich immer von welchen Stoff ich wie viel da habe. Ordnung und Übersicht in der Stoff- und NähzubehörSammlung ist bei der Menge an vielen kleinen StoffTeilen sehr wichtig.




--> So geh ich vor:
Ich zeige dir anhand einer Hose, wie ich vorgehe. Bei anderen Kleidungsstücken ist es ähnlich. Für eine kleine Orientierung habe ich die Dauer für einzelne Schritte mit angegeben. Das sind nur Schätzwerte und variieren je nach Kleidungsstück, Menge, Voraussetzung, ...


Los geht`s ...

[Schritt eins] aussortieren


Folgende Fragen muss man sich stellen:
Welche Muster und Farben sehen hübsch aus und würden auf dem Genähten gut rüber kommen? 
Kleine Muster lassen sich auf kleinen und großen Projekten einsetzen. 
Große Muster kann man nur für großflächigere Projekte verwenden.

kleine Projekte: z.B. Brillenetui, Handyhülle, Geldbörsen, Schlüsselanhänger 
große Projekte: z.B. Vorhänge, Kissenbezüge, Taschen, Kleidung


Mit welchen Stoffarten möchte ich nähen bzw. komme ich am besten klar?
Baumwollstoffe, Wollstoffe, Leinen, Seide, Synthetik ... Stoffkunde ist hier das A und O. 

Am Anfang der NähKarriere ist ein Fachbuch zum bestimmen hilfreich. Mit der Zeit bekommt man ein Gespür welcher Stoff welcher ist und was man bei der Verarbeitung zu beachten hat. Manche Stoffe haben bestimmte Eigenschaften die man für ein schönes Nähergebnis beachten muss.


Dauer
ja nach Menge/Größe mindestens 15 Minuten bis ....




[Schritt zwei] waschen
Egal ob der Vorbesitzer die Kleidung frisch gewaschen abgibt oder nicht, nach dem Einzug kommt die Kleidung in die Waschmaschine und wird bei der höchstmöglichen Temperatur gewaschen.

Dauer
ca, 1 - 1,5 Stunden



[Schritt drei] trocknen
Zum Trocknen geht´s auf den Wäscheständer. Im Sommer trocknet die Wäsche an der frischen Luft. In der Übergangszeit und im Winter trocknen die Textilien im Heizungskeller. Gerade in der ungeheizten Übergangszeit trocknet das Ganze schlecht und braucht so 2-3 Tage, bis es mit dem recyceln weiter gehen kann.

Dauer
bei guten Voraussetzungen 2-3 Stunden
bei schlechten Voraussetzungen 2-3 Tage



[Schritt vier] Vorüberlegung
Ich lege mir das Kleidungsstück auf meinen DIY Zuschneidetisch aus und betrachte es genau. Man bekommt irgendwann den Blick dafür, was man verwenden kann/braucht und was man dann doch in den Müll schmeißt.


Evtl. wird die Kleidung auch mal auf links gedreht um zu schauen, wo Nähte lang laufen und man mit der Schere ansetzen kann.

Ich zerschneide die Kleidung immer so, dass ich so viel wie möglich Verschnitt/Abfall einspare. Also so viel wie möglich Stoff zum nähen heraus bekomme.

Dauer
1 Minute



[Schritt fünf] Kanten/Bund  abschneiden
Eingeschlagene Kanten (z.B. am Hosenbein) werden abgeschnitten.


 Ebenso wird im oberen Bereich der Kleidung der Hosenbund oder Tunnelzug abgeschnitten.


Dauer
1-2 Minute(n)



[Schritt sechs] Schlaufen abschneiden
Gürtelschlaufen werden abgeschnitten. 
Die Schlaufen lassen sich prima weiterverwenden z.B. Aufhänger für andere Nähprojekte (an Jacken, Taschen, Handtüchern, zum anbringen von Schlüsselringen ...) 

Dauer
ein paar Sekunden



[Schritt sieben] "Zubehör" abschneiden, heraustrennen
Knöpfe werden abgeschnitten, Reißverschlüsse, Klettverschlüsse und Hakenverschlüsse heraus getrennt, Gummis und Kordeln aus Tunnelzügen befreit ... Dazu nehme ich noch nicht einmal einen Nahttrenner (sind mir unsympathisch). Eine spitzer Schere, mit einer gebogenen Schneide tut`s auch.


Bei Reißverschlüssen und Klettverschlüssen fummle ich nach dem heraus-trennen die "Restfäden" ab. Wie schon erwähn: alles soll sofort wieder vernähbar sein. 


Dauer
ca. 5 - 10 Minuten



Wenn der Kleinkram erledigt ist, geht`s an den Stoff.


[Schritt acht] Kleidung aufschneiden
Ich schneide das Kleidungsstück, direkt an der Naht entlang, auf.


Dabei schneide ich die versäuberte Nahtzugabe komplett ab.


Zum Vorschein kommen dann die ursprünglichen Hosen-Zuschnitte. Ich zäume das Pferd sozusagen von hinten auf. 
Das ist sehr oft echt spannend. Man erfährt, wie es zusammen genäht wurde und wie das Schnittmuster aussah. Auch wenn man es nicht so mit der Maßschneiderei hat, ist es doch lehrreich. 

Dauer
ca. 5-10 Minuten



[Schritt fünf] Schönes und Unschönes herausschneiden
Hartnäckige Flecken oder auch dünner gewordener Stoff werden großzügig heraus geschnitten. Applikationen abgetrennt,  aufgedruckte Bilder heraus geschnitten.

Dauer
2-3 Minuten



[Schritt zehn] zusammenlegen und verstauen
Stoff zusammenlegen und ab in die Stoffkiste bzw. Stoffregal



links: zum kreativ sein (Stoff, Reißverschluss, Gürtelschlaufen, Knopf, versäuberte Nahtzugabe)
rechts: zu wegschmeißen (Hosenbund, eingeschlagene Stoffkanten)






-->Tipps:

Manchmal ist mitten im Stoff eine Ziernaht. Diese aufzutrennen würde blöd aussehen (man sieht immer die vorherigen Nadeleinstiche). Solche Besonderheiten belasse ich im Stoff und berücksichtige sie beim nächsten Projekt.


Die abgeschnittene und versäuberte Nahtzugabe endet bei mir immer als Katzenspielzeug. Der Stubentiger ist ganz heiß auf die Dinger. Ansonsten könnte man mit den Schnüren auch kreativ werden: zu Schlüsselbänder verflechten, lange Schnüre als Geschenkband verwenden .....

Wegschmeißen muss man sie also nicht unbedingt ;o)




--> Besonderheiten:
Bettwäsche (besonders BettdeckenBezüge) recycle ich sehr gern. Man bekommt sie in den unterschiedlichsten Stoffarten. Von flauschig, bis luftig über robust ist eigentlich alles vertreten. Manchmal kann das aber auch zum Fluch werden. Z.B. wenn die Bettwäsche aus einem dünnen Material besteht, dass beim angucken schon auftrottelt.

Bei Bettwäsche habe ich wenig Schneidearbeit: Knopfleiste ab und (bei gut Glück) nur rechts und links die versäuberte Nahtzugabe abschneiden. Besonders bei einem Bettdeckenbezug bekommt man eine schöne große Stoffbahn (z.B. 130 x 360 cm) raus. Perfekt für Projekte mit größerem Soffverbrauch (Kleidung oder Vorhänge).



(Schalen)BH`s sehen so unscheinbar aus, dennoch liefern sie so einiges an kleinen Schätzen. 

Man kann folgendes heraustrennen oder abschneiden:
  • Träger 
  • Verschlüsse
  • Highlights wie kleine Schleifchen
  • Schalen bzw. bei Push-ups die Einlagen
  • Metallbügel (die, die unter der Brust sitzen und Halt bieten)
  • Motive (als Applikationen)
Wer sich selbst ein BH oder Bikini-Oberteil nähen will, findet in alten BH`s das perfekte StarterKit. Außerdem kann man schauen wo und wie Nähte platziert wurden. So wird der alte BH auch noch zur Vorlage.



Manche DamenUnterhemden besitzen niedliche aufgenähte Bordüren. Unbedingt abtrennen! Auf kleinen NähProjekten (Handytasche und Co) kommen solche Bordüren sehr gut zur Geltung. Die SpagettiTräger kann man für Aufhänger benutzen.
Mit Unterhemden nähe ich nicht so gern, wegen dem hohen Elastananteil. Für meine Näharbeiten ehr ungeeignet. Wer aber mehrer Hemden des gleichen Modells beherbergt, der könnte sich auch Strümpfe nähen oder Puppenbekleidung.


Bedruckte Shirts sind klasse. Da schneidet man das Motiv sehr großzügig aus... und schon hat man eine tolle  Basis für große Applikation (für Sitzsäcke, Kissen, Taschen, Jacken).


Manche Schriftzüge werden durch das ständige Waschen nicht mehr ansehnlich. Diese lassen sich mit Textfarbe zu neuem Leben erwecken oder auch mit Glitzersteinchen aufpeppen. 



--> Kleidung, die ich nicht recycle:

Auch wenn Schlüppis oft richtig tolle dekorative Gummisbänder haben, recycle ich noch nicht einmal das Gummi der Unterwäsche, geschweige denn den Stoff.
Nicht nur aus hygienischen Gründen verzichte ich auf das recyceln von Slip, String, Boxer und Co, auch moralisch kann ich es nicht vertreten. 



Es gibt eine Ausnahme: Das ein oder andere (von mir getragene) "Unterhöschen" kommt in die Kochwäsche, wird etwas modifiziert und am Ende ein MenstruationsHöschen für das HundeTier. Das kann ich vertreten, weil es mein Höschen war und mein Hund es trägt.




Genauso schaut es mit Socken aus. 
Meine Socken für meine Projekte: ja. 
Socken von und für Dritte: Nein!



Ich hoffe, die Fülle an Informationen war jetzt nicht zu viel des Guten und du konntest dir ein paar Anregungen mit raus nehmen. 

Mir war es ein großes Bedürfnis diesen Artikel zu schreiben, weil ich zeigen will, wie viel Arbeit und Herzblut in Nähereien aus recycelten Stoffen steckt. 
Klar bekommt man alte Kleidung, im Gegensatz zu Meterware aus dem Nähladen, spott billig. Aber der Aufwand ist doch nicht zu unterschätzen. Vielleicht kannst du jetzt besser nachvollziehen, warum diese Produkte oft viel teurer sind als handgemachte Nähereien mit Stoffen von der Stange. 

Wie schon erwähnt: Das sind die Stoffe, aus denen Unikate gemacht werden. 



Du möchtest auch mit dem recyceln alter Textilien beginnen?

Hier bekommst du ein paar nützliche Helfer:


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